Der Treibhauseffekt und seine Folgen
Beitrag von Bernd Haunstetter
Wie war es doch so schön in Edenkoben, als ich noch ein Junge war.
Pünktlich in der Vorweihnachtszeit schneite es, Eisblumen waren am Fenster und die ersten
Schneemänner wurden gebaut. Schlittenfahren am Schneckenberg oder mit dem Rodler das Gottesackerbergel
herunter. Sonntags ging es dann hoch zum Edenkobener Skihang im Sauermilchtälchen
und auf dem Rückweg dann mit den Skiern die Engelsleiter bis zum Hüttenbrunnen hinunter.
Regelmäßig wurde sogar der Edenkobener Skihang abgemäht und ein Skilift wurde angeschafft.
Vereinsmeisterschaften im Riesenslalom wurden sogar am Edenkobener Skihang durchgeführt.

Vereinsmeisterschaft im Riesenslalom 1979 am Edenkobener Skihang
Für die Skilangläufer war auch gesorgt, denn mit einem Motorschlitten wurde die Loipe gespurt.

Der verwaiste Motorschlitten
Doch wie ist die Situation heute! Können unsere Kinder noch einen Schneemann bauen oder rodeln? Der Skihang Edenkoben
wird schon Jahre vor dem Winter nicht mehr gemäht und ist völlig verwildert.
Es gibt keinen Winter mehr, und wenn es mal schneit, ist innerhalb kurzer Zeit der ganze Schnee wieder geschmolzen.
Es gab so gut wie keinen Winter 2006/2007, fast nur Temperaturen über Null, und doch zweifeln noch viele Bürger in Edenkoben am Klimawandel.
Seit 34 Jahren fahre ich in den Wintersport in die Alpen, und noch nie hat es auf 1800m Höhe geregnet im Februar.
In diesem Jahr hat es so fürchterlich geregnet, dass innerhalb eines Tages der Schnee nur noch eine sulzige Pampe war und ich abreisen musste.
In Edenkoben kam im Juni 2006 ein furchtbarer Hagel, Autos, Dächer und Dachrinnen wurden beschädigt
und schlimmste Schäden entstanden in den Weinbergen.
Im Januar 2007 kam der schwere Sturm Kyrill und im April 2007 litten wir unter Hitze und Trockenheit.
In ganz Europa gab es Erntausfälle in der Landwirtschaft von historischem Ausmaß!
Viele Bürger, mit denen man sich unterhält, zeigen mit dem Finger nach USA oder China und sagen: „Die sind schuld“. Andere Bürger sagen: „Das ist alles nicht so schlimm, das kommt von der Erdachsverschiebung und regelt sich wieder“.
Dann gibt es Bürger, die sagen: „Der Treibhauseffekt bewahrt die Menschheit vor der Eiszeit“.
Dazu kann ich nur sagen: „Dies alles trifft nicht zu“. Die Klimaforscher weltweit sind sich einig:
Der Klimawandel ist vom Menschen verursacht.
Dabei gibt es viele Wege, den Klimawandel abzubremsen und das schlimmste noch zu verhindern. Doch dazu ist jeder Bürger aufgefordert, auch in Edenkoben.
In Sachen regenerative Energie leben wir in Edenkoben noch in der Steinzeit.
Bis jetzt gibt es in Edenkoben auf öffentlichen Gebäuden selten eine Fotovoltaikanlage und keine solare Brauchwasseranlage. Die größte Chance wurde verpasst als die Heizung der Hauptschule erneuert und die Hackschnitzelheizung abgelehnt wurde, obwohl die Ratsmitglieder der Verbandsgemeinde eine Hackschnitzelanlage besichtigt hatten.
Danach wurde auf der Hauptschule eine Fotovoltaikanlage abgelehnt.
Die Fotovoltaikanlage auf dem Gymnasium wurde vom Kreis abgelehnt und später auch auf der neuen Turnhalle des Gymnasiums.
Auf einen Antrag der grünen Bürgerliste, auf allen städtischen Gebäuden Fotovoltaikanlagen zu bauen, erfolgt seit einem Jahr keine Reaktion, geschweige denn eine Aktivität.
Bei Nachfragen gibt es überall Schwierigkeiten und Ausreden.
Da die Freiflächensolaranlage in Venningen abgelehnt wurde und unser Verbandsbürgermeister 2.0000 m² Photovoltaikanlagen
auf Industriedächern versprochen hat, lebe ich in großer Erwartung, ob dies ausgeführt wird.
Auch bei den Heizanlagen in öffentlichen Gebäuden wird nur mit Öl oder Gas geheizt, obwohl die Stadt Edenkoben 1100 ha Wald besitzt.
Lobenswert ist, dass die Verbandsgemeinde 5 Fahrzeuge auf Pflanzenöl umgerüstet hat.
Aber auch wir Bürger können etwas tun:
- Der eine baut eine neue Heizung mit Pelletskessel und dazu eine thermische Solaranlage.
- Der nächste lässt sich eine Fotovoltaikanlage installieren oder und nutzt die Erdwärme.
- Der nächste installiert einen Feststoffbrennstoffkessel mit Holz.
- Der nächste isoliert sein Haus und rüstet sein Auto um auf Pflanzenöl.
- Der Winzer lässt sich eine Hackschnitzelanlage oder ein Blockheizkraftwerk mit Pflanzenöl einbauen und rüstet
seinen Traktor auf Pflanzenöl um, oder heizt mit Rebholz aus seinem Wingert.
- Die Winzer, die gleichzeitig Schnapsbrenner sind, könnten aus Traubenübermengen Bioethanol herstellen.
In jedem Benzinauto kann man ohne Umbau 50% Benzin und 50% Bioethanol fahren.
- Die Winzergenossenschaften könnten aus Trester Tresterpellets herstellen und an die Genossen verkaufen,
denn in Tresterpellets steckt mehr Energie als in herkömmlichen Pellets aus Sägemehl. Gleichzeitig
könnte man durch das Tresterpelletangebot den Pelletspreis wieder nach unten drücken.
Bleibt die Frage nach der Amortisation der Investitionen für die oben genannten Anlagen.
Immer wieder, wenn ich verschiedene Bürger in Edenkoben berate, wird diese Frage gestellt.
Fakt ist: Kurzfristig rechnen sich die Investitionen nicht, auf längere Zeiträume gesehen aber schon, der
Nutzen für die Umwelt dagegen tritt sofort ein.
Nicht jeder hat den langen Atem, und nur zu leicht ist man dazu verführt, nur mit dem jetzigen Gas und Ölpreisen
herumzujonglieren und dann doch wieder eine Gas oder Ölheizung einzubauen.
Es steht aber zu befürchten, dass in den nächsten Jahren die Öl- und Gaspreise geradezu explodieren werden.
Und dann das Gejammer über steigende Holz und Pelletspreise.
Die Preise von Holzpellets, Hackschnitzel, Festholz, Pflanzenöl, Bioethanol werden doch nie in dem Ausmaß
steigen wie die fossilen Brennstoffe Öl oder Gas. Hinzu kommt noch, dass Erdöl und Gas als politische
Druckmittel eingesetzt werden können, die Gelder für die vorgenannten Energien dagegen im Lande bleiben
und mithelfen können, Kaufkraft zu schöpfen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, wovon letztendlich auch die eigene Gemeinde profitiert.
In der Vergangenheit war es in der Tat der Fall, dass es billiger war, die Umwelt zu verschmutzen, als sie zu schützen.
Nun hat sich das Blatt eindeutig gewendet. Die Auswirkungen des globalen Klimawandels können nun doch teurer werden als
erwartet. Laut Expertenberichten wird die Erderwärmung die Weltökonomie um mehr als 20 Prozent einbrechen lassen.
Das heißt, wenn wir in den nächsten 15 Jahren die Klimaerwärmung nicht in den Griff bekommen, wird es uns
genauso viel kosten wie 2 Weltkriege zusammen.
Fassen wir zusammen:
- Der Klimawandel ist im vollen Gange.
- Fossile Energien (Öl uns Gas) werden teurer, können zu politischer Abhängigkeit führen.
- Maßnahmen zur Energieeinsparung (Isolieren der Häuser) sind teuer, werden sich aber auf einen längeren Zeitraum hin amortisieren.
- Nutzung regenerativer Energien bieten die Chance, umweltschonend ja sogar umweltneutral oder mit einem Plus für die Umwelt zu arbeiten und somit dem Klimawandel entgegen zu wirken
- Werden die Chancen vertan, werden sich immens teure, vielleicht sogar irreparable Schäden einstellen.
Die Nutzung der uns noch gebotenen Chancen ist also ein Gebot der Klugheit, ja sogar eine unabdingbare Pflicht.
Umweltschutz ist sicher die Sache der Politik auf allen Ebenen, aber er ist auch Sache jedes Einzelnen.
Keiner von uns darf in Sachen Umweltschutz auf den anderen schauen, jeder muss bei sich selbst beginnen,
das ihm Mögliche zuerst und mit höchster Priorität zu tun. |