Grüne Bürgerliste der
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
„Eine Schule für alle“
Unter diesem Motto stand am 5.03.09 die Diskussionsrunde mit dem bisherigen Landesvorsitzenden und früheren bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Nils Wiechmann im prot. Gemeindehaus.

Der Vortrag mit anschließender Diskussion wurde von der GBE im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe zu den Kommunal / Europawahlen 2009 organisiert, die am 28. April mit einer Veranstaltung zum Thema „Klima und Energie“ ihre Fortsetzung finden wird.
Nach einer kurzen Einführung durch Reinhard Metz, der später auch auf die speziellen Schulkonzepte im Kreis SÜW und in Edenkoben einging, gliederte der Hauptredner seinen Vortrag in 3 Hauptpunkte: die Bedeutung von Bildung, die Bedeutung der PISA-Studie und die Umsetzung der Strukturreform im Bildungswesen.
Zunächst betonte er die zentrale Bedeutung von Bildung für soziale Gerechtigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten.
Immer noch haben Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, behinderte Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland
sehr schlechte Chancen. Dies bedeute, man müsse sich bei uns an Ländern orientieren, die dies besser machen, wie z. B.
Finnland, Schweden und Kanada, die PISA-Sieger.
Dabei ergeben sich folgende 4 Grundsätze:
- Kinder sollen länger gemeinsam lernen durch ein integratives Schulsystem. Optimal sei eine integrierte Gesamtschule.
So sei es möglich, alle Schulabschlüsse an einem Schulstandort anzubieten. In Rheinland-Pfalz gebe es bisher nur 26 integrierte Gesamtschulen.
- Eine bessere individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers muss erreicht werden. In Deutschland gehe man
sehr selektiv vor durch homogene Lerngruppen, obwohl heterogene Lerngruppen vorteilhafter seien.
- Die einzelnen Schulen brauchen mehr Selbstständigkeit, auch in finanzieller Hinsicht. In Skandinavien z. B. hätten
die Schulen ein viel höheres Budget und könnten sich so ein eigenes Profil schaffen, ohne vom hohen Bürokratieaufwand
seitens der Schulträger abhängig zu sein.
- Die Rahmenbedingungen für die Schulen müssten verbessert werden, indem mehr Geld in Personal und Infrastruktur
der Schulen investiert werde. In Finnland z. B. gibt es nur 20 Schüler pro Klasse. In Deutschland argumentiere man jedoch,
dass durch die sinkenden Schülerzahlen (allg. demographische Entwicklung) auch weniger Lehrer nötig seien und dies führe
dann zu einem dauerhaften Stellenwegfall. So könne eine bessere Förderung durch kleine Klassen jedoch nie erreicht werden.
Die Strukturreform in Rheinland-Pfalz habe bisher folgendes bewirkt: Selektion immer noch nach der 4. Klasse, die Hauptschule heißt jetzt Realschule Plus und die Berufsschulen verfügen nicht mehr über eine Fachoberschule. Diese mangelhafte Reform stelle daher besonders an die Kommunen folgende Herausforderungen: Längeres gemeinsames Lernen organisieren, das Ganztagsschulkonzept verbessern, Einführung der allg. Lernmittelfreiheit, ökologisches Schulsanierungskonzept aufstellen, gemeinsames, gesundes, kostenloses Mittagessen von guter Qualität an Schulen sichern, Schülerbeförderung verbessern, Schulentwicklungsplanung auch über Kreisgrenzen hinaus überdenken, Selbständigkeit der Schulen verbessern. Man müsse auch bedenken, dass Lehrer in unserem Bundesland schlechter bezahlt werden und so pädagogisches Fachpersonal von Hessen oder Baden-Württemberg abgeworben werde.
Anschließend fand eine lebhafte Diskussion statt, bei der besonders regionale Themen wie die Auflösung der Ludwigschule, die neue
Realschule Plus in kooperativer Form und die integrative Gesamtschule Maikammer zur Sprache kamen.
mit freundlichen Grüßen
gez. Wolfgang Beiwinkel