Grüne Bürgerliste der
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
Naturschutz im Wingert“ – GBE Wanderung mit Winzer Ludwig Seiler in Weyher
Am 18. April hatte die Grüne Bürgerliste Edenkoben (GBE) Mitglieder und interessierte Bürger
zu einer geführten Wanderung in Weyher eingeladen. Sie stand unter dem Thema „Weinbergsflora und –fauna“
und wurde geführt vom Winzer Ludwig Seiler, der ökologischen Weinbau betreibt. Der Betrieb ist seit vielen Generationen
im Familienbesitz und wurde 1990 nach Bioland-Richtlinien umgestaltet. Die Trauben werden von Hand gelesen.
Der natürliche Kampf gegen Schädlinge im Wingert findet schon am Haus statt. Unter dem Dach brüten Turmfalken,
die dafür sorgen, dass sich die Mäusepopulation in erträglichen Grenzen hält. Über dem Nest ist eine
Kamera installiert, die Einblick in die Aufzucht der Jungen ermöglicht. 12 bis 18 Turmfalken werden pro Jahr aufgezogen.
Einfluglöcher im Dach bieten u.a. Unterschlupf für Fledermäuse und verschiedene Vogelarten. Eine Trockenmauer
aus Sandstein am Haus bietet seltenen Pflanzen und Tieren Schutz
.
Auf dem Hof befinden sich Hühner und zwei Esel, deren Stallmist der Düngung dient. Ein Esel wurde auf die Wanderung mitgenommen, der andere musste trotz Protest zu Hause bleiben, hatte doch keiner von uns Mitläufern Erfahrung im Umgang mit „tierischen“ Eseln.

Wie Herr Seiler ausführte, steht für ihn die Ökologie im Mittelpunkt der Arbeit im Wingert, denn das bedeutet, die natürliche Vielfalt zu fördern. Je vielfältiger das Leben im Weinberg ist, desto stabiler wird das ganze Ökosystem. Bei jeder zweiten Wingertgasse wird nach der Ernte eine Wintergründüngung durch z.B. Roggen, Zottelwicke, Weißklee, Ölrettich vorgenommen,
während die andere ein Jahr sich selbst entfalten kann. Durch die Gründüngungspflanzen wird der Boden durchwurzelt und gelockert sowie mit Nährstoffen angereichert. Oberirdische Blattmasse wird von Regenwürmern zu Dauerhumus verarbeitet. Inzwischen wachsen zwischen den Reben mehr als 250 verschiedene Kräuter und Gräser. Hier eine kleine Auswahl: große und schopfige Traubenhyazinthe, Acker- und Wiesengelbstern, Runder Lauch, Weinberglauch, gestreifter Klee, Rapsdotter, Ackerhahnenfuß, Kornrade u.v.a.m.

Viele dieser Pflanzenarten sind landesweit vom Aussterben bedroht. Von der botanischen Vielfalt profitieren auch
viele Tiere, z.B. unzählige nützliche Spinnen, Insekten, Fliegen und Wespen. An jeder Wingertzeile befindet sich ein
Nistkasten für die Wildbiene zur Ablage ihrer Eier. Diese natürlichen Verbündeten im Kampf gegen Schädlinge
werden durch die blühende Weinbergsflora angelockt und ernähren sich teilweise von deren Nektar und Pollen. Nisthilfen
aus Ton werden von Hausrotschwänzen, Feldsperlingen und Kohlmeisen angenommen. Auch Feldhasen fühlen sich in dieser
Umgebung wohl. Gespritzt wird nur als Vorbeugung gegen den echten Mehltau mit Schwefel in geringer Dosierung und danach mit Backpulver.
Wir waren – wenn nicht schon vorher, dann jetzt – von der Arbeitsweise des Herrn Seiler überzeugt: Durch ökologischen
Weinbau werden hochwertige, gesunde Trauben erzeugt und er ist die Voraussetzung für die Erzeugung bekömmlicher und wohlschmeckender Weine.