Grüne Bürgerliste der
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
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Machen Gummibärchen Kinder schlau?
Am 28. Mai besuchte die Abgeordnete des Europäischen Parlaments Hiltrud Breyer die GBE, um im Seniorentreff über die Themen Verbraucherschutz, Pestizide und Lebensmittelsicherheit zu referieren und zu diskutieren.

Breyer, die schon seit 1988 für die Grünen Mitglied des Europaparlaments ist, betonte, dass dieses zum Thema bereits einiges bewegt habe und dass die Grünen dabei stets der antreibende Motor gewesen seien.
Die Referentin bedauerte, dass beim Thema Verbraucherschutz Dinge wie Gammelfleisch, Dioxin in Eiern oder BSE immer eine enorme Publicity bekämen, der alltäglichen Pestizidpolitik hingegen viel weniger Aufmerksamkeit zuteil werde.
Das Europäische Parlament habe ein europaweites Verbot für hochtoxische Pestizide (so genannte CMR-Stoffe, (cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch - das bedeutet: krebserzeugend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend) bewirkt.
Außerdem habe es ein Substitutionsmodell auf den Weg gebracht, d.h. die gefährlichen Stoffe sollen durch weniger gefährliche Substanzen ersetzt werden. So soll bei den Herstellern ein Wettbewerb ums „weniger Gefährliche“ angeregt werden.
Die Grünen im EP wollen erreichen, dass zukünftig auch ein Verbot immunsystemschädigender Pestizide und neurologisch schädlicher Pestizide erfolge. Letztere können nachweislich sogar die Intelligenz von Babys reduzieren, die mit diesen „Nervengiften“ irgendwie in Kontakt kommen.
Zudem sollen in Zukunft sämtliche bienenschädigende Mittel abgeschafft werden. Dies wurde im Europäischen Parlament aber erst thematisiert, nachdem das große Bienensterben in den letzten 2 Jahren viele alarmiert hatte. Immerhin sei die Biene das drittwichtigste Nutztier in Europa. Der wirtschaftliche Schaden betrage zwischen 160 -170 Milliarden Euro, wenn in Zukunft die Bienen ausfallen würden und die Bestäubung der Blüten maschinell erfolgen müsse.
Außerdem beantragen die Grünen im Europäischen Parlament einen elektronischen Feldpass für Lebensmittel. Ebenso wie die Bauern ihren Einsatz von Pestiziden genau dokumentieren müssen, müssten dann auch andere Lebensmittelhersteller in Zukunft diesen Nachweis erbringen. So wüssten die Verbraucher Bescheid, welche Pestizidrückstände in welchen Lebensmitteln enthalten seien.
Nach wie vor plädieren die Grünen im Europäischen Parlament gegen die Gentechnologie. Diese bringe keinerlei Verbrauchervorteile und somit keinen Mehrwert. Außerdem müssten genmanipulierte Lebensmittel genau gekennzeichnet werden. Laut Breyer bestehe noch immer eine „Lücke“ bei tierischen Produkten wie Eiern, Milch und Fleisch. Erst wenn diese „Lücke“ geschlossen werde, sei ein Ende der Gentechnologie in Sicht. Es würden jedoch noch einige genmanipulierte Futtermittel in der Landwirtschaft eingesetzt.
Die genmanipulierte, teure, geschmacksneutrale Antimatschtomate wurde als Verkaufsflop glücklicherweise schnell wieder vom Markt entfernt. Die Grünen plädieren außerdem für ein Verbot von Klonfleisch, allein schon aus Gründen des Tierschutzes.
Weiterer Regulierungsbedarf bestehe laut Referentin auf dem Gebiet der Nanotechnologie. Giftige Nanopartikel können z. B. in den Blutkreislauf gelangen und somit den Körper nachhaltig schädigen.

Außerdem fordern die Grünen im EP eine Schadstoffkennzeichnung für Innenraumgegenstände, wie z. B. Sofas, Tapeten oder Bodenbeläge, denn die Innenraumbelastung sei 2 x so hoch wie die Außenbelastung durch Schadstoffe. Die Städte Wien und Stockholm spielen eine Pionierrolle in Bezug auf PVC-freie Gebäude. Deutsche Krankenhäuser verwenden z. B. immer noch Blutkonservenbeutel, die zu 60% aus PVC bestehen, dessen Schadstoffe so direkt ins Blut gelangen könnten. Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen z. B. auf Frühchen seien katastrophal. Auch Kosmetika enthalten laut Breyer viele krebserregende Stoffe.
Innerhalb Europas seien Dänemark und Schweden die absoluten Vorbilder in der Pestizidpolitik. So hätten es diese beiden Länder geschafft, innerhalb von 20 Jahren die Pestizidrückstände zu halbieren, ohne Ertragseinbußen hinnehmen zu müssen. Der Kauf von 1 kg Pestiziden koste durchschnittlich nur etwa 10 Euro. Die Natur von deren Rückständen zu befreien, koste hingegen etwa 100 000,-- Euro
Erwägenswert sei auch die so genannte „Ampelkennzeichnung“ in ganz Europa einzuführen, die in Großbritannien bereits praktiziert werde. Dort werden schadstofffreie Lebensmittel mit einem grünen Punkt versehen, leicht gesundheitsschädliche Produkte mit einem gelben und extrem gesundheitsbelastende Erzeugnisse mit einem roten Punkt gekennzeichnet.

Zum Schluss ihres Vortrags wies die Abgeordnete noch auf die extreme Giftigkeit künstlicher Duftstoffe hin, wie diese z. B. in Raumsprays enthalten seien. Die Referentin betonte noch einmal, dass in Europa Werbung für Gummibärchen, die angeblich schlauer machten sowie Joghurts, die laut Werbeslogans die Schönheit verbesserten, inzwischen verboten sei, da diese Wirkungen vom Hersteller natürlich nicht nachzuweisen seien.
Im Anschluss und während ihres Vortrags erfolgte eine lebhafte Diskussion zu den Themen Innenausstattung, Lebensmittelsicherheit, Bienengesundheit und Nanotechnologie.
mit freundlichen Grüßen
gez. Wolfgang Beiwinkel