Grüne Bürgerliste der
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
Stadt und Verbandsgemeinde Edenkoben GBE
Krieg im Gazastreifen – Frieden im Nahen Osten?
Unter diesem Motto stand am 26. 01.09 der Vortrag des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Nahostexperten Christian Sterzing im Sälchen des mit über 80 Zuhörern voll besetzten prot. Gemeindehauses in Edenkoben.

Der Vortrag mit anschließender Diskussion wurde von der GBE im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe zu den
Kommunal / Europawahlen 2009 organisiert, die am 5. März mit einer Veranstaltung zum Thema „Bildung und Schule“ ihre Fortsetzung finden wird.
Angesichts der aktuellen, akuten Kriegssituation im Gazastreifen ist dieses Thema von höchster Aktualität und an Brisanz kaum zu überbieten.
Zunächst begrüßte der Vorsitzende der GBE, Wolfgang Beiwinkel, den Referenten und stellte diesen den Zuhörern kurz vor.

Dieser gliederte seinen Vortrag in folgende 4 Hauptpunkte:
- Wer ist der Gewinner des Krieges?,
- Wie läuft die Medienberichterstattung aus dem Gazastreifen bei uns in Deutschland ab?,
- Wie sieht die innerpalästinensische Entwicklung derzeit aus?
- Und welche Chancen hat der Friedensprozess im Nahen Osten?
Während die Frage nach dem Gewinner zwiespältig ist, so stehe laut Sterzing der Verlierer des Konflikts eindeutig fest,
nämlich die Zivilbevölkerung im Gazastreifen, welche seit Beginn des 22-Tage-Krieges schon 1400 Todesopfer zu beklagen habe.
Hingegen sähen sich beide Kriegsparteien als Gewinner: Israel, weil es die Hamas militärisch erheblich geschwächt habe
und so einen hohen Abschreckungseffekt erzielt habe. Die Hamas, weil sie politisch nicht geschlagen werden konnte durch den Krieg und
so den Widerstand gegen die israelische Besatzung und den Zermürbungskrieg gegen Israel weiterführen könne.
Die Berichterstattung bei uns erfolge laut Sterzing immer nur „aus 2. Hand“, da ausländische Journalisten im
Gazastreifen nicht zugelassen seien. Eindeutig sei jedoch das Verhältnis der Opferzahlen auf beiden Seiten. Dieses gehe bei
den Palästinensern in die Tausenderbereiche, bei den Israelis jedoch bleibe es unter 100 Toten.
Auf jeden Fall sei die hiesige Medienberichterstattung unzureichend für eine objektive Meinungsbildung in Deutschland. Was
die innerpalästinensische Entwicklung seit dem Wahlsieg der Hamas 2006 betreffe, so habe sich die Lage für die palästinensische
Bevölkerung im Gazastreifen seither stets weiter verschlechtert, da Israel den Gazastreifen seitdem blockiere, um Hamas zu schwächen.
Der gegenteilige Effekt sei jedoch eingetreten und so werde die innerpalästinensische Auseinandersetzung zwischen Hamas und Fatah immer
schärfer und eine Versöhnung zwischen beiden Lagern sei nicht in Sicht.
Zum Schluss stellte Sterzing resümierend die Frage nach den Chancen des Friedensprozesses im Nahen Osten.

Er stehe diesen sehr skeptisch gegenüber, obwohl die Konturen für einen möglichen Frieden klar vorhanden seien
und in einer 2-Staatenregelung Israel / Palästina bestehen und die Mehrheit der Bevölkerung auf beiden Seiten dafür sei.
Aber den Friedensprozess behinderten andere Faktoren wie die Frage, ob Palästinenserpräsident Abbas überhaupt
verhandlungsfähig sei oder ob man die Hamas in die zukünftige Regierung eines Staates Palästina miteinbeziehen
könne oder müsse. Außerdem stelle sich die Frage nach dem Ausgang der Wahlen in Israel am 10. Februar und wie man
die Situation der Palästinenser für ihren Alltag erleichtern könne.
Unstrittig hingegen sei, dass ein Dritter nötig sei für Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern.
Doch wer soll dieser Dritte sein?
Welche Haltung bezieht der neue amerikanische Präsident im Nahostkonflikt? Welche Rolle kann der Europäischen Union zukommen?
Kann sie im Krisengebiet vom „Payer zum Player“ avancieren?
Nach seinem Resümee fand noch eine lebhafte Diskussion statt, in der die Zuhörer dem Referenten ein Dutzend Fragen stellten,
die dieser sachkundig beantworten konnte.

Mit freundlichen Grüßen
Gez. Wolfgang Beiwinkel